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Anerkennung Wolfskeelhalle

Idee – Ein neues Ganzes


Der Entwurf für die grundlegende Sanierung und Modernisierung der Wolffskeelhalle zu einem multifunktionalen Begegnungszentrum in Markt Reichenberg verfolgt die Idee ein Gebäudeensemble zu schaffen, welches den Anforderungen an eine raumordnende, funktionale und effektive äußere und innere Organisation, sowie einer prägnanten und hochwertigen hoch- und landschaftsarchitektonischen Gestaltung in selbstverständlicher Weise gerecht wird.


Städtebau - Aus der Struktur heraus


Die markante Lage der Wolffskeelhalle wird durch die Sanierung gestärkt und als neuer gemeinschaftlicher, multifunktionaler Begegnungsort ausgebildet. Der fragmentierte Bestandskomplex wird mittels einer neuen thermischen und funktionalen Hülle homogenisiert und gestalterisch definiert. Der bestehende Halle und der neu geschaffene kleine Saal werden über Ihre Dachform nach außen hin deutlich ablesbar und prägen die Fernwirkung sowie das Erscheinungsbild der Halle im Ort. Die Erschließung und vertikale Durchwegung des dreigeschossigen Gebäudes wird grundlegend neu geordnet und verbindet nun über eine Erschließungsspur, den tiefer liegenden Haupteingangsbereich, orientiert zur Reutergasse, mit dem oberen Niveau der Grundschule und des Kindergarten auf selbstverständliche Weise. Das Gebäude bekommt somit eine eindeutige Adresse und verbindet das Dorf optimal mit den weiteren Nutzungen.


Außenanlagen – leistungsfähig und rücksichtsvoll


Zunächst wird der direkte Freiraum um die Halle herum neu strukturiert und klar geordnet. Hierbei werden bestehende Wegebeziehungen gestärkt und neue Verknüpfungen ermöglicht. Talseitig entsteht eine großzügige Terrasse. Diese kann zum einen als Kiss + Ride Zone mit leistungsfähiger Umfahrung genutzt werden. Zum anderen bringt die Fläche einen multifunktionalen Mehrwert für das gesamte Areal. Kleine Feste oder Flohmärkte können hier veranstaltet werden – bei Bedarf können hier zusätzliche PKW-Stellplätze zur Verfügung stellen.

Die Fußgänger bzw. Radfahrerorganisation werden harmonisch vom Individualverkehr abgegliedert, sodass ein sicheres Umfeld entstehen kann. Weiterhin werden die Parkplätze ebenfalls neu geordnet und in teilweise sickerfähigem Belag ausgeführt.

Die Bestandsböschung inkl. Vegetationsbestand wird integriert und erhalten.

Oberhalb der Böschung wird die Verlängerung der Märzgasse als reiner Rad- und Fußweg ausgebildet und zur vereinenden Achse weiterentwickelt.


Begegnungszentrum – Gebäudestruktur, Organisation und Materialisierung


Die grundlegende Struktur des Bestandsbaus wird beibehalten und weiterentwickelt. Auf dieser geometrisch, strukturellen Grundlage werden die Nutzungsbereiche angeordnet sowie untereinander verknüpft um räumliche Synergien optimal nutzen zu können.

Der Besucher/Nutzer betritt die Wolffskeelhalle über einen der zwei Haupteingänge von Osten (Dorfniveau) oder Westen (Schulniveau). Es erfolgt eine vertikale Erschließung und Durchwegung über ein großzugiges Treppenhaus von Ost nach West. Hier wird die Saalebene gekonnt mit der tiefer liegenden Dorfebene verbunden.

Untergeschoss: Linker- und rechterhand des Erschließungsfoyers liegt das Lese- und Mediencafé. Es sind verschiedene Nutzungsszenarien unter Einbeziehung des Foyers und der repräsentativen Treppe, denkbar. Im nordwestlichen Teil liegt mit einem eigenen Zugang und Außenbereich, das Jugendzentrum mit beigeordnetem Büro und Besprechungsraum. Die Sanitär- und Lagerräume für das Lese- und Mediencafé, sowie für das Jugendzentrum liegen in einer Spur in der Mitte des Geschosses. Im rückwärtigen Bereich befinden sich die erforderlichen Technikräume, Lager und Hausmeisterräumlichkeiten. Zusätzlich sind die Technikräume über einen kleinen Nebeneingang von Norden zugänglich.

Zwischengeschoss: Im nordöstlichen Bereich befinden sich die Einrichtungen der Mittagsbetreuung. Hier wurde besonders auf die multifunktionale Nutzbarkeit und Abtrennbarkeit Wert gelegt und nutzungsneutrale, teilbarere Räume geschaffen. In einer Erschließungsspur dahinter liegen die dazugehörigen Sanitärräume und Lager. Im rückwärtigen Bereich, mit natürlicher Belichtung über Oberlichter, erstrecken sich die Umkleideräume der darüber liegenden Halle und die Küche der Mittagsbetreuung. Die Umkleideräume haben einen Nebenzugang von Norden um kurze Wege von der Schule zu gewährleisten und die Trennung von Straßenschuhen zu Hallenschuhen zu ermöglichen. Die Küche verfügt über alle notwendigen Räumlichkeiten einer Zubereitungsküche, sowie einer im Süden gelegenen Lehrküche für die pädagogische Arbeit. Im südöstlichen Bereich liegt der Vereinsraum mit den geforderten Lagermöglichkeiten.

Obergeschoss: Hier befindet sich die zwei Säle der Wolffskeelhalle: Der große Saal im Norden und der neu geschaffene kleine Saal an der Südostecke. Zugänglich sind beide Säle über das gemeinsame Foyer mit Treppenhaus. Von dort erfolgen auch die Zugänge zu Toilettenanlage, Garderobe und Cateringküche. Der bestehende Saal wurde um einen Umgang im Norden und Osten ergänzt. Dieser ermöglicht eine gute Erschließung bei abgetrennten Hallenteilen und gibt, ebenso wie der vor dem kleinen Saal liegende Außenbereich, den Blick über Reichenberg frei. Die Cateringküche liegt zwecks optimaler Andienung von außen und der optionalen Verbindung zum daruntergelegenen Küchen- und Lagerbereich, im Westen der Halle. Daneben ist das Gerätelager mit Zugängen aus der Sporthalle positioniert. In der nordwestlichen Ecke des Saales erfolgt der Zugang zu den Umkleidekabinen ein Geschoss darunter.

Die Bestandstruktur des 70er Jahre Komplexes wird beibehalten und wo nötig ertüchtigt. Die neue Außenhülle ermöglicht zum einen eine optimale thermische Ertüchtigung und zum anderen eine unkomplizierte und durchgehende Detailierung der Außenhaut. Vor eine Tragstruktur aus Stahlbeton wird eine Pfosten-Riegel-Fassade aus Holz gestellt. Aus dem darüber liegenden Raster aus vertikalen Profilen ergeben sich, je nach räumlichen Anforderungen, transparente oder opake Bereiche. Die geschlossenen Elemente sind hochwärmegedämmte Holzelemente, die transparenten Elemente werden als Festverglasungen oder Fenster mit Öffnungsflügeln realisiert . Die Oberflächenbehandlung der Holzfassade erfolgt mit einen sehr langlebige silikatische Beschichtung. Die markanten Dächer der Säle werden mit Titanzink verkleidet. Die Elemente sind teilweise perforiert um die Halle über Oberlichter belichten und belüften zu können. Rücksprünge in der Fassade markieren die Eingänge und bilden dadurch eine eindeutige Adresse aus. Im Inneren ermöglichen dauerhafte, strapazierfähige Materialien und Oberflächen eine lange Lebensdauer des Gebäudes.


Résumé


Die vorgeschlagene Planung besticht in besonderem Maße durch seine Qualität im Bezug auf die äußere und innere Organisation, ihre wirtschaftliche Konstruktion und gestalterische Feinheit. Sie reagiert angemessen auf den städtebaulichen und landschaftsräumlichen Kontext und ergänzt diesen um einen sensibel eingepassten Baustein. Die klare organisatorische Struktur des Begegnungszentrums sowie die präzise Ausgestaltung lassen dieses als bereichernden architektonischen Baustein in Erscheinung treten. Unter dem Einsatz modernster, nachhaltiger und energieeffizienter Produktions- und Bautechniken entsteht ein flexibles, zeitgemäßes und im höchsten Maße wirtschaftliches Gebäude. Dieses ermöglicht eine optimale und effektive Nutzung als Bürgertreffpunkt für Markt Reichenberg, und verortet sich in einem neu gestalteten Umfeld auf selbstverständliche Art und Weise als gemeinsamer und belebter Identifikationsort.


Standort

Markt Reichenberg

Projektpartner

KO/OK Architektur

Jahr

2020

Wettbewerb

Anerkennung